Menschen mit Mut – Teil 11: Markus Escher und Alexander Franke von GINSTR – Stuttgart Dry Gin

Mit einer „Schnapsidee“ starteten Markus Escher und Alexander Franke, herausgekommen ist ein Unternehmen, das den besten Gin der Welt produziert. Die beiden Männer sind Gründer und Geschäftsführer der Stuttgart Distillers GmbH, die den weltweit bekannten Gin GINSTR – Stuttgart Dry Gin herstellt und beschäftigen aktuell 10 Mitarbeiter. Das Video zum Gespräch finden Sie am Ende des Textes.

Initialzündung:

Dass sich die beiden überhaupt kennengelernt haben, haben sie dem Zufall zu verdanken. Alexander Franke war in seiner Funktion als Redakteur auf dem Weingut von Markus Eschers Eltern, um Eschers Bruder zu interviewen, dessen Weine prämiert wurden. Beim Small-talk stellten sie fest, dass sie beide große Gin-Liebhaber sind. Aus der gemeinsamen Leidenschaft entwickelte sich das gemeinsames Projekt: einen eigenen Gin brennen.

Bis im Jahr 2016 jedoch die ersten (0)711 Flaschen von GINSTR fertig waren, verbrachten Franke und Escher zweieinhalb Jahre damit, das perfekte Rezept auszutüfteln. Ziel war es, die 711 Flaschen des Stuttgarter Gins in zwei Jahren zu verkaufen. Es ging schneller. Die 711 Flaschen waren innerhalb von fünf Tagen verkauft.

Das nötige Equipement zum Brennen, Abfüllen, Etikettieren und Verladen des Gins fanden die beiden Gründer übrigens bereits auf dem Weingut von Eschers Eltern vor, so dass es für sie möglich war, dass Start-Up ohne Zuschüsse oder finanzielle Hilfe von außen aufziehen zu können. So entfiel das hohe Anfangsinvest, das sonst nötig gewesen wäre. Lediglich Zutaten, Flaschen, Etikette mussten gekauft werden, um die laufende Produktion gewährleisten zu können. Dafür reichte das Ersparte  von „ein paar tausend Euro“ .

Herausforderungen: 

Im Jahr 2018 wurde GINSTR bei der International Wine and Spirit Competition in London als bester Gin der Welt ausgezeichnet. Diese IWSC Auszeichnung resultierte in vielen Anfragen aus dem Ausland, und sie ergriffen die Chance, den Auslandsmarkt zu erobern. Als ersten Partner konnten die beiden das Ritz Carlton in Hong Kong gewinnen, wenig später war der Gin auch in China und der ganzen Welt erhältlich. Besonders der Export nach Asien war risikobehaftet und erfordert den ganzen Mut der beiden Gründer. Würden die Abnehmer zahlen? Die hohe Alkoholsteuer von 100% musste bei Einfuhr in Hong Kong und in China bezahlt werden. Würden die Empfänger auch zahlen? Würde der erste Container voll Gin wirklich problemlos sein Ziel erreichen?  Auch Großhändler zum Vertrieb des Gins mussten vor Ort erst gefunden werden. Es klappte ohne größere Probleme, und GINSTR kann inzwischen weltweit genossen werden.

Das schnelle Wachstum hatte aber auch eine Kehrseite. Im Inland war der Gin bereits so gefragt, dass es Ende 2017 durch die Vielzahl an Bestellungen zu langen Wartezeiten kam. Durch diesen Umstand verlor das Unternehmen einige Kunden. Mittlerweile ist die Produktion auf 150 000 Flaschen und soll weiter wachsen.

Wünsche an die Politik:

Markus Escher und Alexander Franke fühlen sich ihrer Heimatstadt sehr verbunden. Stuttgart ist fester Bestandteil der Marke, wie man am Namen GINSTR und dem eingearbeitete Fernsehturm erkennt. Ihr weiteres Wachstum wollen sie in Stuttgart umsetzen. Derzeit sind sie und die zehn Mitarbeiter auf verschiedenen Standorten verteilt. Bei ihrer Suche nach einer geeignete Immobilie/Grundstück würden sie sich mehr Unterstützung von der Stadt Stuttgart wünschen. Die Politik solle solchen Anliegen offen und unterstützend gegenüberstehen und es auch im Kontext des Stadtmarketings betrachten.

Außerdem merkten die beiden Unternehmer noch an, dass es gerade für Mitarbeiter, die von außerhalb nach Stuttgart ziehen, schwer sei bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Mein Resumée:

Markus Escher und Alexander Franke wurden Unternehmer aus einer gemeinsamen Passion. Der Zufall führte sie zusammen, das vorhandene Equipment erleichterte den Start. Ihr Qualitätsanspruch an GINSTR, die Teilnahme am bedeutenden Wettbewerb IWSC führten und der Mut, die Chancen, die sich daraus ergaben zu nutzen, führten sie auf den Erfolgspfad. Das Rezept ist bis heute das Geheimnis der beiden. Die Lieferanten für die Gin-Zutaten sind lokal. Schnelles ertragreiches Umsatzwachstum stärkt das Eigenkapital, wodurch sie bis heute ohne Fremdfinanzierung arbeiten können. Ihre Wünsche bestärken mich darin, dass wir neue Konzepte für unsere Innenstädte brauchen mit lebendigen Quartieren, in denen vielfältige Wohnungstypen für alle Gesellschaftsschichten mit Flächen für emissionsarme Produktion und neue Arbeitsformen zusammenkommen.
Die beiden GINSTR Gründer zeigen, dass es sich lohnt, eine „Schnapsidee“ zu verfolgen und mutig in die Tat umzusetzen. Ein tolles Beispiel, das Mut macht!