Menschen mit Mut – Teil 10: Sylvia Rall von der Hainbuch GmbH

„Entspannt und spannend“  war das Gespräch mit Frau Sylvia Rall, Geschäftsführender Gesellschafterin der Firma Hainbuch im Rahmen meiner Reihe „Menschen mit Mut“. Das Familienunternehmen produziert Spannwerkzeuge und wird bereits in der dritten Generation familienintern geführt. Das im Jahr 1951 gegründete Unternehmen hat heute ca. 900 Mitarbeiter an 4 deutschen und 13 internationalen Niederlassungen. Hauptkunden sind Werkzeugmaschinenhersteller, die Automobilindustrie, Aerospace und die Medizintechnik. Das Video zum Gespräch finden Sie am Ende des Textes.

Initialzündungen:

1951 startete der Opa von Sylvia Rall in einer Garage. 1977 wurde das System SPANNTOP entwickelt mit dem Werkzeuge schneller und einfacher gewechselt werden können. Das Produkt ist in der Branche mittlerweile zum Standard geworden, es gibt heute mehr als 50 Nachahmer. Bis heute ist es die Mission des Unternehmens Spanntechnik-Prozesse weltweit zu vereinfachen und zu revolutionieren. Die Enkelin Sylvia Rall verbrachte nach ihrem Einstieg ins Unternehmen ein Jahr in den USA, um dort die US-amerikanische Tochterfirma aufzubauen. Der Blick „von außen“ auf die eigene Firma war sehr lehrreich. Nach ihrer Rückkehr aus den USA stieg sie 2010 in die Geschäftsführung ein. „Ein Familienunternehmen zu führen heißt in erster Linie, Verantwortung zu tragen, für 900 Mitarbeiter und ihre Familien“. Genau das versucht sie im Übrigen auch an ihre Kinder weiterzugeben.

Herausforderungen:

Gute Leute zu finden ist entscheidend. Gute Abschlüsse allein reichen aber nicht. Die formale Qualifikation ist für sie bei Bewerbern bei weitem nicht das einzige Auswahlkriterium. Wichtiger ist ihr, dass der Kandidat auch persönlich und mit seinen Werten zum Familienunternehmen passt.

In der Finanzkrise 2009 brach die Nachfrage im Automobilsektor stark ein. Die Krise wurde genutzt, um sich am Markt breiter aufzustellen. Und, da Kunden Liquiditätsprobleme hatten, erweiterten sie das Geschäftsmodell um die Möglichkeit Standard-Spannwerkzeuge zu mieten. Auch die Internationalisierung wurde konsequent ausgebaut.

Automatisierung, Elektronik waren und sind Chancen für neue technische Lösungen und die eigenen Prozesse. Die Digitalisierung geht noch weiter steht noch am Anfang und ist eine Herausforderung für das gesamte Unternehmen an jedem Arbeitsplatz. Seit 2 Jahren  gibt es einen Leiter Digitale Transformation und seit kurzem hat die Geschäftsführung um Frau Rall ein internes Gesprächsformat „digitalk“ gestartet: Kurze Impulsvorträge von Mitarbeitern, in denen über digitale Neuerungen im Bereich berichtet werden, dienen der Inspiration für die Kollegen. Rund um diese Impulsvorträge, so erzählte mir Frau Rall, finden immer angeregte Diskussionen statt, die der Worthülse „Digitalisierung“ Lebendigkeit verleihen. „Jede Krise ist immer auch eine Chance und durchaus auch eine sehr kreative Zeit. 2020 ist für uns das Jahr der Veränderung, in allen Bereichen.“

Wünsche an die Politik:

Die Veränderungsgeschwindigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft durch neue Technologien nimmt zu. Frau Rall wünscht sich, dass die Politik dem schneller Rechnung trägt. So sieht sie  das Betriebsverfassungsgesetz noch auf dem Stand der Industriegesellschaft. Es ist „aus der Zeit gefallen“. Dass die Belegschaft keine Möglichkeit habe, einen Betriebsrat während seiner Amtszeit abzuwählen, sei ein Aspekt. Auch beim Kündigungsschutz brauche es mehr Flexibilität. Aktuell, in diesem Jahr der coronabedingten Veränderungen, sollte die Möglichkeit zur Kurzarbeit verlängert werden. Und sie erwartet mehr Schlagkraft des Staates gegen Cyberkriminalität.

Mein Resumée:

Die Firma Hainbuch steht exemplarisch für die zahlreichen mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg. Durch Innovations- und Tatkraft schafft es das Familienunternehmen am Weltmarkt zu konkurrieren, ohne dabei die eigene Identität, die den Kern des Unternehmens bildet, preiszugeben.
Damit Baden-Württemberg erfolgreich bleibt, muss es mit politischen Anpassungen schneller werden. In Abwandlung eines Leitspruches meines früheren Arbeitgebers Bosch:
Be quick, be better, be Baden-Württemberg!