Menschen mit Mut – Teil 4: Waltraud Weegmann von Konzept-e

Mit der Gründerin und Geschäftsführerin von Konzept-e, Waltraud Weegmann, sprach ich über ihren Weg, welche Herausforderungen sie überwinden musste und was ihre Wünsche an die Politik sind. Sie ist wahrlich ein Mensch mit Mut.

Konzept-e ist ein Trägernetzwerk mit Kinderhäusern, Grund- und Gemeinschaftsschulen sowie Fachschulen. Mittlerweile existieren über 40 Einrichtungen mit über 1000 Mitarbeiter*innen, darunter 900 PädagogInnen, welche hauptsächlich in Baden-Württemberg betrieben werden. Dazu gehören auch die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern sowie die Beratung von Unternehmen und soziale Einrichtungen. Kurz: Konzept-e ist Spezialist für Bildung und Betreuung. Das Video zum Gespräch finden Sie am Ende des Textes.

Initialzündung:

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist das, was mir den Impuls gab und mich immer wieder neu antreibt“, schildert Waltraud Weegmann ihren Start von Konzept-e. Buchstäblich klein angefangen hat sie Ende der 80er-Jahre mit einer privaten Kindertagesstätte. Da sie selbst Mutter ist, kannte sie die Schwierigkeiten der Eltern, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Der Staat schuf mit seiner Gesetzgebung die Basis, sodass sich ihr Geschäft größer skalieren ließ. Zunächst eine Initiative des Wirtschaftsministeriums, später dann das Recht auf einen Krippenplatz für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr. Dieses wurde seinerzeit von anderen Trägern, wie den Kirchen, nicht gleich erkannt und bedient. Dadurch habe sich für andere die Möglichkeit ergeben, dieses Feld zu besetzen. „Die Zeit muss reif sein, um Möglichkeiten am Schopf zu packen“, schildert Waltraud Weegmann ihre Bereitschaft zur Initiative.

Herausforderungen:

Eine der größten Herausforderungen besteht im unternehmerischen Risiko, das in der Finanzierung der Objekte liegt, da Frau Weegmann etwa beim Kauf eines Grundstücks zunächst in Vorleistung gehen muss. Diese Beträge jedoch konnte sie als noch junge Geschäftsfrau nicht aus eigener Tasche bezahlen. Von den Banken bekam sie auch kein Geld, sodass der Schulterschluss mit Unternehmen gesucht wurde. Diese traten als Geldgeber auf und somit konnte Frau Weegmann dieses vor allem in ihrer Anfangszeit noch große Problem minimieren. Die Standorte für Kindertagesstätten werden mit Bedacht so gewählt, dass sie eine örtliche Nähe zu Unternehmen haben. Es ist Teil des Konzepts, dass die Unternehmer sich auch als Partner von Konzept-e verstehen. Das Interesse an einer guten und funktionierenden Einrichtung für Kinder besteht folglich von beiden Seiten: den Unternehmen und Konzept-e.
Eine andere, generelle Herausforderung, mit der sogenannte Sozial-Unternehmen wie das von Frau Weegmann umgehen müssen, ist die Sicht der Gesellschaft auf sie. „Ein Unternehmen wie unseres darf eigentlich keine Rendite haben oder Gewinne machen. Da wir im Sozialen tätig sind, sind Gewinne hier leider etwas negativ behaftet“, benennt Frau Weegmann diesen Umstand.

Wünsche an die Politik:

Die Reduzierung der Bürokratie steht auf Waltraud Weegmanns Wunschliste ganz vorne. Am Brandschutz bemängelt sie, dass sich die Regelungen zu rasch wandeln und im Dekaden-Rhythmus neue Bestimmungen gelten. Hier ist mehr Verlässlichkeit gefragt. Regelungen im Detail sind kontraproduktiv. Weniger wäre mehr: Hygieneregelungen verhindern zum Beispiel, dass Kinder die Küche betreten, was aber pädagogisch gewünscht wäre. Die Politik sollte mehr Freiheiten gewähren und auf den Output im Bildungsbereich schauen, anstatt den Input eng zu regulieren. Nötig wäre auch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Artenschutz (Eidechsen) und Baukosten, damit Investitionskosten nicht ins Uferlose wachsen.

Mein Resümee:

Politik muss mehr mit Zielvorgaben arbeiten und weniger im Detail regeln. Das schafft Raum für vielfältige Lösungen. Die konsequente Kontrolle der Einhaltung der Zielvorgaben gehört dann natürlich auch dazu. Ebenso wie Kontinuität bei Bestimmungen. Konzept-e ist aber auch ein Beispiel dafür, dass gesetzliche Vorgaben Raum für Unternehmertum schaffen. Freiräume lassen Menschen wachsen. Je früher, desto besser.

Das Video zum Gespräch mit Waltraud Weegmann finden Sie hier: