Menschen mit Mut – Teil 3: Michelle Bäßler von COSI Coworking + Babysitting

Meine heutige Gesprächspartnerin, Michelle Bäßler, ist die Gründerin von COSI, einem Coworking Space mit integrierter Kleinkindbetreuung für Eltern. Frau Bäßler erläuterte ihre spannenden und facettenreichen Beweggründe, die Hürden, vor denen sie noch steht und ihre Wünsche an die Politik. Sie ist ein Mensch mit Mut, denn diese Idee gibt es in Baden-Württemberg so wohl noch nicht.

Für viele junge Menschen steht irgendwann die schwierige Frage im Raum: Kinder und/oder Karriere. Insbesondere die Frauen stehen in der Kleinkindphase vor der schwierigen Aufgabe, Kinderbetreuung und Beruf unter einen Hut zu bringen. Sie brauchen kurze Wege zum Kind und einen engen Austausch mit den Kinderbetreuern. Das Video zum Gespräch finden Sie am Ende des Textes.

Initialzündung:
„Die Vereinbarkeit von meinem ersten Kind und der Führungsaufgabe in einem Unternehmen,“ so Frau Bäßler, „war für mich die Initialzündung, COSI zu gründen und mein eigenes Ding zu machen.“ COSI soll ein Coworking Space werden, der die Lebenswirklichkeit junger Eltern, besser berücksichtigt. Die Vorzüge, eine gute Kleinkindbetreuung unter dem gleichen Dach zu haben wie den Arbeitsplatz und das möglichst wohnortnah. Die positiven Nebeneffekte: durch ein dezentrales Arbeiten können auch der Pendelverkehr und die Fahrzeiten verringert werden, ohne jedoch auf soziale Kontakte mit Berufstätigen zu verzichten, wie es zumeist im Home Office der Fall ist.

Herausforderungen:
Der aktuelle Stand bei COSI: Michelle Bäßler ist noch in der Planungsphase. So gestaltet sich etwa die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten als nicht ganz einfach, in denen ihr Coworking Space-Kleinkindbetreuungs-Konzept umgesetzt werden kann. Das Anforderungsprofil ist klar: das Gebäude soll im ländlichen Raum oder aber im Speckgürtel von Stuttgart stehen. So wäre auch der Effekt zu erreichen, durch Coworking im außerstädtischen Raum für neue Strukturen zu sorgen.

Eine zweite Hürde ist das liebe Geld. Bisher hat sie die Finanzierung noch nicht geklärt. Geldgeber zu finden, ist zusätzlich erschwert durch den Umstand, dass ein relativ neues und noch wenig verbreitetes Konzept auf die Beine gestellt werden soll. Dieser muss Luft lassen für das erste Jahr, um das Konzept in der Praxis zu erproben und weiterzuentwickeln. Zur Kundengewinnung denkt sie an potenzielle Firmenkunden und Eltern für Coworking, die durch einen Probemonat oder anderes Entgegenkommen finanzieller Art, gewonnen werden sollen.

Wünsche an die Politik:
Staatliche Förderprogramme. Nicht zuletzt angesichts der Corona Erfahrungen sollte der Staat solche dezentralen Coworking Spaces aktiver unterstützen und für die nötige Breitband- und Mobilfunkausstattung sorgen.

Mein Resumée: solche Konzepte brauchen wir in Baden-Württemberg. Nutzen wir die sich wandelnden Lebensentwürfe auch zur Entlastung der Städte, zur Stärkung des ländlichen Raums und vor allem auch zur Sicherung der Fachkräfte. Frauen mit Kindern spielen dabei eine Schlüsselrolle.

 

Das Video zum Gespräch mit Michelle Bäßler und mir finden Sie hier: