Menschen mit Mut – Teil 2: Jörg Baumgärtner von EGS plan

Ein Gespräch mit „nachhaltiger Wirkung“ führte ich mit Jörg Baumgärtner, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und Solartechnik EGS plan. Wir sprachen über seine Anfänge als Unternehmer, die genommenen Hürden auf seinem Weg und seine Anregungen an die Politik, die er aus seiner Erfahrung geben kann. Das Video zum Gespräch finden Sie am Ende des Textes.

Seit langer Zeit ist Herr Baumgärtner unternehmerisch in der Energiebranche tätig. Nach dem Maschinenbaustudium mit Schwerpunkt Thermodynamik startete er 1993. Der Spirit des Unternehmens basiert auf den Forschungsarbeiten zur technischen Nutzung der Sonnenenergie an der Universität Stuttgart. Prof. Dr.-Ing M. Norbert Fisch gründete zusammen mit Prof. Dr. Erich Hahne und Rainer Kübler im Jahre 1990 am ITW (Institut für Thermodynamik und Wärmetechnik) das Steinbeis Transferzentrum für Rationelle Energienutzung und Solartechnik (STZ-RES), um den Wissenstransfer aus der Solarenergie-Forschung in die Praxis beschleunigt umzusetzen. Aus diesem ersten Anlauf ging in der Folge die 2001 mit 5 Partnern gegründete EGS-plan hervor. Alle sechs Gründungs-Ingenieure sind heute noch im Unternehmen tätig. Mittlerweile ist die Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude und Solartechnik auf 90 Mitarbeiter gewachsen.

Initialzündung:
„Es war mir immer wichtig, etwas Sinnvolles zu machen“, sagte Herr Baumgärtner. Die damalige Idee, das Land mit erneuerbaren Energien zu versorgen, ist heute aktueller denn je. Die aktuelle Energieversorgung mit regenerativen Energien muss nach dem politischen Beschluss aus 2011, die Kernkraftwerke bis 2022 abzuschalten, vervielfacht werden, um uns zuverlässig auch mit Strom aus Baden-Württemberg zu versorgen. Insbesondere Photovoltaik bliebe zu oft ungenutzt liegen. Hier sieht er die größten Chancen für eine zukünftige klimafreundliche Energieversorgung.

Herausforderungen:
Die Herausforderungen für EGS-plan sind so vielfältig wie die Energieversorgung der Zukunft selbst. Angefangen, beispielsweise, bei der Abstandsregel bei Windkraftanlagen. Aus Sicht der Energieversorgung ist es deshalb allzu oft problematisch, ein Windrad aufzustellen. Chancen verstreichen. Sehr große Potentiale sieht er auch bei der stationären Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wird, Strom mit hohem Wirkungsgrad erzeugt und die dabei entstehende Abwärme auch noch effektiv für Heizzwecke nutzt. Damit ist sie energetisch dem konventionellen Blockheizkraftwerk überlegen. Leider gibt es derzeit keine neuen Produkte und die bestehenden Angebote sind im Moment noch zu teuer. Herr Baumgärtner sieht hier viel liegengelassenes Potenzial. Kann eine PV-Pflicht für Wohngebäude die Lösung sein? Abgesehen davon, dass diese Pflicht, so sie denn für alle Gebäude gilt, in Konflikt mit der ebenfalls forcierten Dachbegrünung steht. Handwerker und Techniker, die als mittelständische Betriebe die Kunden vor Ort kennen, wären gefragt, um PV-Anlagen zu Aufwind zu verhelfen. Keine Pflicht kann so gute Überzeugungsarbeit leisten wie der wohlbekannte Handwerker aus der Umgebung.
Die geplante Photovoltaikpflicht für gewerbliche Neubauten sieht er positiv.
Die aktuelle Situation durch und mit Corona bringe Umstellungen auch für sein Unternehmen. Zwar seien die direkte Auswirkungen aufs Unternehmen verhältnismäßig gering geblieben, da etwa die Baubranche dennoch weitergearbeitet habe, jedoch gab es Verzögerungen bei den Behörden. Intern mussten sie den eingespielten Geschäftsbetrieb in seinen Abläufen anpassen oder gar neu erfinden. Mobiles Arbeiten stellt andere Anforderungen an Führungskräfte. Das muss erst gelernt und gestaltet werden.

Wünsche an die Politik:
„Wir sind längst über das Zeitalter hinaus, einfache Lösungen zu finden“, leitet Jörg Baumgärtner seinen Wunsch nach Bürokratieabbau ein. Diese sieht er unter anderem in den immer mehr und strikter werdenden Auflagen bei Gebäuden: Fahrradstellplätze, Brandschutz, Schallschutz, Dachbegrünung. Das neue Gebäudeenergiegesetz ist noch komplexer als seine zwei Vorgängergesetze.
Auch den Umstand, dass wir eine „Stromgesellschaft“ sind, bedenkt Jörg Baumgärtner bei seinen Wünschen. Er fordert mehr Akzeptanz für Photovoltaik und Windkraft und einen europaweiten Ansatz bei der Stromversorgung und –erzeugung.

Mein Resumee: Wir haben in Baden-Württemberg kluge Köpfe, um eine sinnvolle Klimapolitik und gute Energieversorgung für das Land sicherzustellen.
Diese brauchen Freiräume zur Gestaltung und eine Verwaltung, die mitzieht. Wir müssen über den Tellerrand hinaus schauen und zugunsten einer Beschleunigung von Innovationen den übermäßigen Regulierungsdrang der Politik beenden.

Das Video zum Gespräch mit Jörg Baumgärtner finden Sie hier: