Besuch bei dmpi, den Industrieverbänden Druck und Medien, Papier und Kunststoffverarbeitung Baden-Württemberg

Gestern war ich zu Gast bei dmpi, den Industrieverbänden Druck und Medien, Papier und Kunststoffverarbeitung Baden-Württemberg. Mit Alexander Lägerle, Hartmut Villinger und Sven Schneller sprach ich unter anderem über Bürokratie als Hemmschuh, einen Staat, der nicht alles regeln darf und über Corona.

Viele Betriebe aus der Druck- und papierverarbeitenden Industrie, die zu den KMU, also den kleinen und mittelständischen Unternehmen zählen, klagen über die bürokratischen Vorschriften, die das bestehende Geschäft belastet. Auch für neue Investitionen, wie sie etwa in der Erweiterung von Gebäuden oder dem Maschinenbestand getätigt werden könnten, wirkt die Bürokratie wie ein Hemmschuh. Sven Schneller, der Vorsitzende des vpi, nannte mir hierbei exemplarisch den Brandschutz und bauliche Auflagen wie neue Fahrradstellplätze im Betrieb. Die alten Ständer entsprechen nicht mehr der Vorstellung der Bürokraten!! Besonders bizarr ist die Vorschrift, nach der man den konkreten Baum benennen können muss, aus dem ein zertifiziertes Holzteil aus Übersee stammt. Das war auch für mich neu. Da kann ich nur sagen: Wir werden alles tun, um das auf Bundesebene geplante Lieferkettengesetz zu verhindern. Es soll formal nur für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeiter gelten. Aber klar ist, dass diese die Forderung an ihre Lieferanten weitergeben werden.

Alexander Lägeler, der Geschäftsführer des vdm und vpi, ergänzte den Gedanken mit Blick auf Startups: „Junge Unternehmer, die nur darauf aus sind, eine Idee umzusetzen, reiben sich die Augen, wenn sie sehen, um was sie sich eigentlich noch alles kümmern müssen.“ Für mich zeigte sich einmal mehr an diesen konkreten Beispielen, dass das  „One in – One out“-Prinzip konsequent angewendet werden muss, um hier Abhilfe zu schaffen. D.h. für jede neue Vorschrift muss eine alte weichen. Weder die grün-schwarze Landesregierung noch die Bundesregierung haben dieses Versprechen aus ihren Koalitionsverträgen umgesetzt!! 

Auch über die Corona-Pandemie, die sich auch in der Druckbranche  bemerkbar machte, haben wir gesprochen. Geschlossen Einzelhandelsgeschäfte, kaum Anzeigenwerbung, keine Broschüren. Keine Messen bedeutet keine Kataloge und keine Einladungen.  Andere Druckbetriebe profitierten hingegen von der starken Nachfrage z.B. nach Etiketten, aus dem medizinischen Bereich und aus dem Versandhandel.  Die Wirtschaft braucht mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und der Handel braucht einen gesetzlichen Rahmen, um sich auf die veränderten Kaufgewohnheiten einzustellen. Der omnipräsente Online-Handel kennt keinen Ladenschluss und ist 24/7 erreichbar, wodurch der stationäre Handel ins Hintertreffen gerät.  

Home Office ist in meinem Geschäftsbereich fast nicht möglich“, schilderte mir Hartmut Villinger, der Vorsitzende des vdm, „wenn ein Sachbearbeiter zur Kontrolle eines Vorgangs eine Maschine in der Fertigung aufsuchen muss, geht das nicht von daheim“.  So wie seinen Mitarbeitern geht es jedoch vielen Beschäftigten in der Industrie. In anderen Bereichen hingegen ist es gut umsetzbar und wird auch weiterhin situativ genutzt werden. Nach einer langen Homeoffice-Zeit waren aber viele Mitarbeiter auch froh wieder im Betrieb auf die Kollegen zu treffen und eine Kantine zu haben.

Einig war ich mit meinen heutigen Gesprächspartnern auch bei der Frage nach der Rolle des Staates. Aus unternehmerischer Sicht ist ein starker Rechtsstaat notwendig, der einen Ordnungsrahmen und Ziele vorgibt. Innerhalb dieser „Spielregeln“ kommt es jedoch auf das Know-How von Unternehmen, die Schaffenskraft der Menschen und die Lust auf Innovation an. Der Staat kann die Zukunft, etwa in Technologiefragen, nicht vorgeben. Fehlanreize wie die Elektroautoprämie behindern die Zielerreichung mehr als dass sie ihr nützen.