Die Stuttgarter Wohnungsmisere ist das Resultat langjähriger ,Unterlassungssünden‘

Zu: StN, 14.01.2020, „Immobilienverband zieht Bilanz: Stuttgarter Wohnungspreise bis Ende 2019 weiter gestiegen“

 

 

Reich-Gutjahr: Die Stuttgarter Wohnungsmisere ist das Resultat langjähriger ,Unterlassungssünden‘

Der oder die künftige Stuttgarter OB muss den Wohnungsbau in jedem Fall rasch zur Chefsache erklären und mit aller Kraft forcieren

 

Zur Berichterstattung der StN, die Stuttgarter Wohnungspreise seien, nach Informationen des Immobilienverbands IVD, bis Ende 2019 weiter gestiegen, erklärte Gabriele Reich-Gutjahr, Stuttgarter Abgeordnete und wohnungsbaupolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion:

 

„Die Bilanz des IVD kommt für mich nicht überraschend. Kontinuierlicher Bevölkerungszuwachs, eine ständig wachsende Zahl an Ein-Personen-Haushalten und parallel dazu eine erschreckend geringe Anzahl an Baugenehmigungen lassen keine andere Bilanz zu. Wenige Baugenehmigungen in Kombination mit langen Genehmigungsverfahren und bürokratische Umsetzungshürden bilden seit jeher eine unheilvolle Allianz. Stuttgart ist bei Bauenden für seine langen Baugenehmigungsverfahren berühmt-berüchtigt.

 

Der wachsenden Wohnungsbedarf in Stuttgart wird zwar immer wieder von Stadt und Land konstatiert, geschehen ist jedoch viel zu wenig. Die Stuttgarter Wohnungsmisere ist das Resultat langjähriger ,Unterlassungssünden‘. Seit Jahren verfolgt die Stadt eine restriktive Flächenpolitik und propagiert die Netto-Null. Auf eine umfassende Wohnungsbau-Initiative, um das gravierende Defizit auszugleichen, warten die Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger vergeblich.

 

Der bereits 2017 aus einer Prognos-Studie abzuleitende Jahresbedarf von mindestens 5.000 Wohnungseinheiten für Stuttgart sollte endlich ernst genommen werden. Ohne die Ausweisung neuer Baugebiete wird das Wohnungsdefizit weiter steigen und in der Folge das Preisniveau.

 

Die Konsequenz ist absehbar. Stuttgart verliert als Wirtschaftsstandort an Attraktivität. Wenn dringend benötigte qualifizierte Arbeitskräfte keinen oder nur unmäßig teuren Wohnraum finden, werden sie unsere Region meiden und anderen Lösungen den Vorzug geben.

 

Wohnraum und Arbeit sind untrennbar verbunden. Wer das eine nicht bieten kann, wird bald im anderen Bereich Probleme erhalten, und das können wir uns, zumal in der aktuellen Umbruchphase der Automobilindustrie, nicht leisten. 

 

Der oder die künftige Stuttgarter OB muss den Wohnungsbau in jedem Fall rasch zur Chefsache erklären und mit aller Kraft forcieren.“